2012-10-07 

Supporto Legale ist wieder da

Wir müssen die Suppe auslöffeln, die wir uns eingebrockt haben

Das Projekt SupportoLegale entstand 2004, um die Verteidigung in den Prozessen gegen die DemonstrantInnen von Genua zu unterstützen. Die AktivistInnen hatten ganz unterschiedliche Hintergründe, aber waren sich in einem einig: Alle Beschuldigten werden unterstützt; das bei vielen beliebte Motto “Teile und herrsche” wird nicht übernommen. Die Einteilung in gute und schlechte Demonstrierende haben wir nie akzeptiert.

Heute, elf Jahre nach dem G8-Gipfel in Genua, nachdem zehn Leute endgültig wegen des irrsinnigen Straftatbestands “Verwüstung und Plünderung” verurteilt worden sind, während zwei von ihnen schon im Gefängnis sitzen und eine noch ihre Tochter aufzieht und dabei darauf wartet, in den Knast gebracht zu werden, fühlen wir uns dazu verpflichtet, dieser Überzeugung wieder zu folgen.

Wir haben verloren – wir und das heißt auch ihr alle – und “alle verteidigen” heißt heute also, denen zu helfen, die den Sog der Unterdrückung von Genua geraten sind. Nicht wie das Sandkorn, das ausreicht, um die Maschine zu stoppen, sondern wie ein Leben, das von der Maschine bedroht wird.

Wir sind wieder da, um den Verurteilten zu helfen. Vor allem mit einer kontinuierlichen finanziellen Hilfe, die für ihren Unterhalt sorgt, während sie hinter den Gittern sitzen.

Gedächtnis ist eine kollektive Maschinerie, genauso wie Solidarität.

Es hätte auch dich treffen können: Zufällig unter tausenden von DemonstrantInnen fotografiert, auch wenn du nicht schwarz gekleidet warst, könntest du jetzt die- oder derjenige sein, die oder der nicht mehr mit FreundInnen über Genua 2001 reden kann.

Du könntest in dieser Zelle sitzen – oder zu einer befristeten Freiheit verurteilt worden sein, und darauf warten, dass sie vor deiner Tür stehen.

Nach elf Jahren ist es nötig, ein paar Prinzipien wieder hervorzuholen und vor allem: zu spenden. Wir brauchen viel Geld, um den Verurteilten und ihren Familien zu helfen und um die Verfahrenskosten und die Kosten der Sachschäden zu zahlen, die auch Teil der Urteile sind.

Während der Prozesse haben wir auf offene und transparente Weise Geld gesammelt und ausgegeben.
Jetzt müssen wir weitermachen. SupportoLegale verpflichtet sich, den Betroffenen zu helfen und die Spenden nach ihren Bedürfnissen und Prioritäten zu verteilen.

Wir haben Erfahrung bei dem, was wir vorhaben, aber ohne Eure Hilfe werden wir es nicht schaffen.
Wir brauchen eine Hand von Dir: Eine Hand, die in die Tasche oder ins Portemonnaie gesteckt wird, oder die online eine Nummer eingibt. Nicht mehr und nicht weniger.

Diese Mauern dürfen uns nicht trennen.

Supporto Legale – im Jahr Null

[Genua, 01/09/2012]