2008-10-07 

[Trento/Italia]Demo gegen Militarbasis

Am Samstag, dem 4. Oktober fand eine Demonstration gegen den Bau einer Militarbasis der italienischen Armee in Mattarello (Trentino) statt. An der Demo nahmen etwa 700 Leute teil, die aus verschiedene Realitäten und Ortschaften der Region kamen.

Kurz nach Beginn der Demonstration kam eine Gruppe von etwa 25 Fascho-Rockern aus verschiedenen europaeischen Laendern auf die Terrasse der Jugendherberge von Trento und begann zu provozieren und gegen die DemonstrationsteilnehmerInnen zu schimpfen.
Mehrere TeilnehmerInnen wollten und konnten das nicht akzeptieren und fingen an, antifaschistische Parolen zu rufen. Die Situation eskalierte schnell, mit dem Austausch von diversen Objekte und Feuerwerken zwischen Faschos und AntimilitaristInnen.
Das Ergebnis davon war, dass eines der Feuerwerke in ein Zimmer der Herberge gelangte, wo sich zwei Fascho-Rocker (einer aus Spanien und der andere aus der Schweiz) aufhielten. Beide wurden an den Ohren verletzt und mussten ins Krankenhaus gebracht werden.

Die Carabinieri ging sofort zu den DemonstrantInnen, es wurde aber niemand festgenommen. Eine offene Frage war, warum die Carabinieri nicht in die Herberge ging, um die Provokation zu beenden. Nach der Demonstration verbreitete sie in den Medien, dass sie die Karteikarten aller Kunden der Herberge aufgenommen hatten, ohne aber weitere Massnahmen einzuleiten.
Das Klima auf der Demo war angespannt, und es kam zu kurzen Auschreitungen mit den Bullen und Streit zwischen DemonstrantInnen.

Im Demonstrationsaufruf und in Redebeiträgen wurden folgende Punkte thematisiert:

1) Die Militaerbasis in Mattarello ist kein isoliertes Projekt, sondern Teil eines Entwicklungsmodels fuer die Region. Mehrere Waffenproduzenten werden dort Firmen eröffnen. Der wichtigste davon ist Finmecanica, der grosse italienisches Waffenproduzent und auch auf internationaler Ebene anerkannter Spezialist zu aero-spatialer Technologie. Zudem wird Finmecanica ein neues Forschungszentrum im Trentino aufbauen, zusammen mit der Bruno-Kessler-Stiftung und oeffentlichen und akademischen Institutionen der Region (Regierung, Universitaet, etc).

2) Die Basis ist Teil von groesseren Infrastrukturen - die z.B. mit neuen Strassen Mattarello mit der Militarbasis in Veneto verbinden wird und auch an den TAV, die neue Hochgeschwindigkeitseisenbahnlinie, einbeziehn. Ein weiterer Teil der Infrastruktur ist der kleine Zivilflughafen von Mattarello.

3) Die autonome Provinz Trento ist die einzige Provinz in Italien mit einem Militär-Haushalt. Die autonome Regierung ist mit 200 Milionen Euro am Projekt beteiligt, und mit den Kosten der weiteren Infrastruktur.

4) Der Aufbau der Militarbasis ist ein Schritt mehr hin zur Betonierung und Zerstoerung der Alpen.

Am Ende der Demonstration wurde ein offenes Plenum veranstaltet, auf dem ueber moegliche naechste Initiativen beraten wurde.

Nach der Demonstration begann die Kriminalisierung der TeilnehmerInnen, an der auch Teil der Anti-Militaerbasis Gruppen teilnahmen. F.T., der Sprecher des Komitees gegen die Militaerbasis in Mattarello (eine lokale kleine Gruppe) sagte in der Presse, dass ihre ganze Arbeit von anarchistischen AktivistInnen kaputtgemacht wuerde, insbesondere von bestimmten lokalen Strukturen. Die Folge davon, dass Leute keine Faschos akzeptieren wollen, sei, dass "normale Buerger" nicht auf Demonstrationen gehen würden und weg von den Widerstandsbewegungen blieben. Spaeter hat dieses Komitee eine Meldung verbreitet, die auf ihre homepage auf Italienisch zu lesen ist: http://trentomilitarenograzie.blogspot.com/2008/10/comunicato-dopo-il-corteo-di-sabato-4.html

Damit hatte er gezielt auf die anarchistische Strukturen in der Provinz verwiesen, was von allen lokalen Medien sofort berichtet wurde. Die Presse hetzte damit stark gegen lokale libertaere AktivistInnen, die ins Visier sowohl von staatlicher Repression als auf von Faschos kamen.Das ist insbesondere deshalb seltsam, weil der Sprecher des Komittees einen Tag vor der Demo sagte, dass das Komitee nicht in der Demo teilnehmen wuerde, weil sie mit Kampfmethoden wie Demonstrationen, Blockaden, etc. nicht einverstanden sind. Sie wollen vielmehr einen konstruktive Dialog mit den Institutionen beginnen, so dass diese erkennen, dass der Bau des Militarbasis etwas schlechtes fuer die Region ist. Auch ein Sprecher des Sozialen Zentrums von Trento distanzierte sich in der Presse von den Leuten, die sich gegen die Faschos positioniert hatten.

Kein Militarbasis mehr!!!
Kriegsmachine stoppen!!!
Armee, Staat und Nation abschaffen!!!