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2007-06-06

800 demonstrieren in Kühlungsborn gegen Polizeigewalt

Camp Wichmannsdorf

Pressemitteilung 6. Juni 2007

  • Präsenz internationaler Presse lässt Polizei friedlich bleiben

Rund 800 Menschen beteiligten sich heute an einer Demonstration gegen
die Polizeigewalt und -schikanen der letzten Tage, die vom Protestcamp
in Wichmannsdorf erst zum Pressezentrum in Kühlungsborn und
schließlich zum Strand führte.

Kurz nach Beginn der Demonstration stoppte die Polizei den Zug für 1
1/2 Stunden, angeblich weil die Anmeldung noch nicht bearbeitet worden
sei. Die Teilnehmer ließen sich hiervon jedoch nicht provozieren,
sondern reagierten mit Parolen und Gesaengen auf diese Schikane.
Schließlich gelang es kreativen Demonstrationsteilnehmern unter
Initiative der Clownsarmee, die Polizei selbst einzukesseln, worauf der
Demonstrationszug sich endlich fortbewegen durfte.

Danach verlief die Demonstration ohne weitere größere Zwischenfälle.
In Kühlungsborn wurde der Zug von den meisten Anwohnern sehr
wohlwollend aufgenommen, viele wurden auf die Strasse gelockt, winkten
oder begleiteten die Menge.

Bei der Zwischenkundgebung vor dem Pressezentrum kritisierten Teilnehmer
das verzerrte Bild, das die meisten Medien während der letzten Tage von
den Protesten gezeichnet haben. “Bei den von der Polizei gespeisten
Presseberichten geht es nur darum, die g8-Proteste zu delegitimieren
und für terroristisch zu erklären” hieß es in der Rede.

Im Anschluss zog der Zug zur Strandpromenade, wo einige Aktivisten noch
ein Bad im kühlen Nass der Ostsee nahmen. Hier kam es noch zu einem
kurzen Eskalationsversuch der Polizei, als eine vermummte Einheit in
Kampfmontur plötzlich auf die Bademenge losging, von den Aktivisten
jedoch geschickt und friedlich abgewehrt wurde. “Nach dem Ende der
schikanösen Festsetzung der Demo verhielt sich die Polizei heute
ausnahmsweise weitgehend friedlich, was wohl vor allem dem Thema der
Demonstration und der Anwesenheit der zahlreichen internationalen
Pressevertreter geschuldet war”, sagte Andree Narres, ein Teilnehmer.

Die Protestbewegung beklagt seit Tagen massive Eingriffe in die
Demonstrationsfreiheit, willkürliche Körperverletzungen Seitens der
Polizei, teils schwer bewaffnete, willkürliche Kontrollen und
Platzverweise. “Wie sich heute gezeigt hat, kann offenbar nur die
Anwesenheit kritischer Presse die Polizei dazu bringen, die
Demonstrationsfreiheit zu achten und von Gewalt abzusehen” schloss
Andree Narres.

Kontakt Camp Wichmannsdorf: 0162/ 374 82 87


Wortlaut des Redebeitrags von der Zwischenkundgebung vor dem
Pressezentrum in Kühlungsborn:

wenn man die presse der letzten tage in augenschein nimmt, könnte man
denken, dass es bei den protesten gegen die g8 in heiligendamm nur
vermummte, steineschmeissende und brandschatzende hooligans gibt. das
ist nicht nur einseitig berichtet, sondern eine dicke fette luege, die
bewirkt, dass polizistinnen und polizisten mit schlotternden knien und
maschinenpistolen im anschlag personen- und fahryeugkontrollen an den
zufahrtswegen zum camp wichmannsdorf durchfuehren. die luegen der
presse werden ganz deutlich, wenn man z.b. den heutigen taz-bericht
ueber die demonstration für globale bewegungsfreiheit von gestern
nachmittag liest, wo es angeblich zu steinwuerfen und angriffen auf die
polizei kam, was von der polizei zwar mit allen mitteln versucht wurde
zu erreichen, aber nicht passiert ist.

oder wenn bei spiegel-online ueber saeureangriffe seitens der clowns auf
die polizei berichtet wird, was wir schon kennen, hat doch der
einsatzleiter hans reime beim castortransport im fruehjahr 2001 das
schonmal behauptet und hinterher zugegeben, dass das taktisches kalkuel
war.

von wem geht denn eigentlich die gewalt aus?

- wenn internationale protestiererInnen sich nackt ausziehen muessen
- wenn mit maschinenpistolen personen- und fahryeugkontrollen
durchgefuehrt werden
- wenn die polizei platzverweise erteilt, die hinterher vom
verwaltungsgericht schwerin für unrechtmaessig erklaert werden
- wenn es im vorfeld hausdurchsuchungen und festnahmen gibt, auf der
suche nach terroristen und NICHTS gefunden wird
- wenn die polizei wiederholt mit hubschraubern im tiefflug ueber dem
camp kreist
- wenn berichtet wird, dass 433 verletzte polizistInnen zu beklagen
sind, die zum groessten teil durch den eigenen traenengaseinsatz zu
schaden gekommen sind.
- dies list liesse sich endlos fortsetzen.

bei den von der polzei gespeisten presseberichten geht es nur darum, die
g8-proteste zu deligitimieren und für terroritisch zu erklaeren.
das ist eine deutliche strategie der einschuechterung und verunsicherung
der demonstrierenden und auch der polizistInnen, deren nerven blank
liegen und entsprechend auf proteste und campteilnehmerInnen reagieren.
die presse ist nichts anderes als das oeffentlichkeitsorgan der bis an
zaehne bewaffneten polizei.

wir fordern von der presse:
- schluss mit der luegenpropaganda!
- stuerzt euch nicht nur auf blut und feuer!
- wenn ihr ueber die proteste berichtet: kommt raus aus eurem
pressezentrum und macht euch selbst ein bild!