

Wir müssen die Suppe auslöffeln, die wir uns eingebrockt haben
Das Projekt SupportoLegale entstand 2004, um die Verteidigung in den Prozessen gegen die DemonstrantInnen von Genua zu unterstützen. Die AktivistInnen hatten ganz unterschiedliche Hintergründe, aber waren sich in einem einig: Alle Beschuldigten werden unterstützt; das bei vielen beliebte Motto “Teile und herrsche” wird nicht übernommen. Die Einteilung in gute und schlechte Demonstrierende haben wir nie akzeptiert.
Heute, elf Jahre nach dem G8-Gipfel in Genua, nachdem zehn Leute endgültig wegen des irrsinnigen Straftatbestands “Verwüstung und Plünderung” verurteilt worden sind, während zwei von ihnen schon im Gefängnis sitzen und eine noch ihre Tochter aufzieht und dabei darauf wartet, in den Knast gebracht zu werden, fühlen wir uns dazu verpflichtet, dieser Überzeugung wieder zu folgen.
Wir haben verloren – wir und das heißt auch ihr alle – und “alle verteidigen” heißt heute also, denen zu helfen, die den Sog der Unterdrückung von Genua geraten sind. Nicht wie das Sandkorn, das ausreicht, um die Maschine zu stoppen, sondern wie ein Leben, das von der Maschine bedroht wird.
Source: http://www.supportolegale.org/supportolegale-chi-siamo-perche-siamo/supporto-legale-ist-wieder-da/ weiter...
Kommentar von Michael Braun
Da erklärt ein hochrangiger italienischer Polizist, beim Sturm auf die Scuola Diaz hätten „dämonische“ Staatsdiener systematisch unschuldige Gegner des G-8-Gipfels zusammengeschlagen und verhaftet.
Vincenzo Canterini hätte den Mut, den er mit seiner schonungslosen Erzählung der Vorgänge jener blutigen Nacht aufbringt, schon früher zeigen können: bei jenem Prozess, bei dem er ebenso hartnäckig schwieg wie die meisten angeklagten und am Ende verurteilten Polizeichefs. Für die juristische Aufarbeitung kommen seine Einlassungen zu spät. Keineswegs zu spät wäre es jedoch für die politische Aufarbeitung.
Doch es scheint, als interessiere das in Italien niemanden wirklich – keine der großen Zeitungen, kein einziger bekannter Politiker reagierte bisher auf Canterinis Anklagen. Und diese Lustlosigkeit ist nicht bloß Privileg der italienischen Rechten, die unter Silvio Berlusconi im Jahr 2001 regierte. Auch als die Linke unter Romano Prodi im Jahr 2006 die Wahlen gewann, fand sich keine parlamentarische Mehrheit für die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses.
Source: http://www.taz.de/Kommentar-Polizeiskandal-in-Genua/!98752/ weiter...
Der blutige Überfall auf die Scuola Diaz in Genua beim G-8-Gipfel 2001 mit Dutzenden Schwerverletzten war ein Racheakt der Polizei. Die Waffenfunde waren inszeniert. von Michael Braun
Drastische Worte findet Vincenzo Canterini bei der Beschreibung der beispiellosen Gewaltorgie, die etwa 400 Polizisten am späten Abend des 21. Juli 2001 in der Scuola Diaz in Genua anrichteten.
„Unmenschliche, erschütternde Schreie, sie schienen aus dem Jenseits zu kommen. Ich sah Menschen, die von Polizeistiefeln getreten wurden. Ich hielt inne, als ich das Schlachthaus im ersten Stock sah. Die wahren Dämonen – die, die straflos davonkamen, nachdem sie voller Genuss hinkende Alte und Jugendliche in ihren Schlafsäcken zusammengeschlagen hatten – waren in Jeans und T-Shirt gekleidet, darüber ein Leibchen mit der Aufschrift ’Polizei‘.“
Source: https://www.taz.de/Polizeioffizier-ueber-G8-Gipfel-in-Genua/!98723/ weiter...
Genua, G8 Zum 11 Jahrestag des Staatsterrors gegen Demonstrant_innen in Genua greift die italienische Justiz auf ein faschistisches Sondergesetz zurück.
Es war eng in der Galerie Zeitzone in Berlin-Kreuzberg, wo sich am späten Abend des 19. Juli zahlreiche Menschen getroffen haben, um an den 20. Juli 2001 in Genua zu erinnern. An diesen Tag protestierten in der italienischen Hafenstadt Hunderttausende aus aller Welt gegen G8-Gipfel. Am Abend des Tages war Carlo Giuliani tot und Hunderte Menschen waren zum Teil schwerverletzt, Tausende traumatisiert. Der 20. Juli 2001 blieb vielen Menschen in Erinnerung, als der Tag, an dem der Faschismus für einige Stunden wieder Einzug in eine europäische Stadt hielt. Dabei wird vor allem an dem Sturm der Polizei auf die Diaz-Schule gedacht, als schlafende Demonstrant_innen halb tot geprügelt wurden und die Folterorgien in den diversen Polizeikasernen des Landes, in die die Gipfelgegner_innen verschleppt worden sind.
Source: http://www.freitag.de/autoren/peter-nowak/mit-mussolini-gesetz-gegen-opposition weiter...
Gestern Abend versammelten sich in Berlin ca. 70 Interessierte, um sich über die Genua ergangenen Urteile gegen 10 italienische Aktivist_innen im Zusammenhang mit der Polizeirandale 2001 während des G8 Gipfels zu informieren. Damals wurde Carlo Giuliani (1) von einem jungen Militärpolizisten erschossen - seine Ermordung jährt sich heute zum 12. Mal.
Wegen des schlechten Wetters war die Versammlung vom Kreuzberger Carlo Giuliani Park (Adalbertstr./Engeldamm) kurzfristig in einen nahe gelegenen Raum verlegt worden. Zunächst gab jemand einen Überblick über die Urteile ( siehe auch http://de.indymedia.org/2012/07/332695.shtml ) - während fünf der Verurteilten ihre langen Haftstrafen sofort antreten sollen und z.T. bereits haben, sind den anderen an einem Punkt ihrer Verurteilung noch Revisionsmöglichkeiten offen. Daher haben sie derzeit noch Haftverschonung. Verurteilt wurde alle 10 wg. verschiedener Paragraphen, die dem hiesigen Landfriedensbruch sowie harter Strafen wegen öffentlicher Plünderungen, also letztendlich kollektiver Eigentumsdelikte entsprechen. Ein italienischer Veranstaltungsteilnehmer wies darauf hin, dass die entsprechende Gesetzgebung mit ihren harten Strafen noch aus der Zeit des Faschismus stamme und bis heute nie verändert wurde.
Gegen Demonstranten und Demonstrantinnen wurden wegen der Auseinandersetzungen in Genua im Jahr 2001 harte Urteile gefällt – auf der Grundlage eines Gesetzes aus dem faschistischen Strafkodex Rocco.
von Catrin Dingler
Via Internet unterzeichneten weltweit 30 000 Menschen den Aufruf »10 x 100«. Doch als am Freitag vergangener Woche Italiens Oberster Gerichtshof darüber entschied, ob zehn Personen, die im Juli 2001 an den Protesten gegen den G8-Gipfel in Genua teilgenommen hatten, zu insgesamt 100 Jahren Gefängnis verurteilt werden, versammelten sich nur wenige Mitglieder der Kampagne »Genua ist nicht vorbei: Zehn, keiner, dreihunderttausend« auf der weitläufigen Piazza Cavour in Rom. Zu wenige, um im Straßenlärm mit der Forderung »Freiheit für alle« durchzudringen, zu wenige, um am frühen Abend den Verkehr aufzuhalten, als das Kassationsgericht das Urteil verkündete. Alle Angeklagten wurden der »Plünderung und Verwüstung« für schuldig befunden. In fünf Fällen verhängte das Gericht Haftstrafen zwischen sechs und 15 Jahren, wobei drei Angeklagten ein minimaler Strafnachlass von neun Monaten gewährt wurde. In den fünf übrigen Fällen wurde dem Antrag der Verteidiger stattgegeben, von einem Revisionsgericht strafmildernde Umstände prüfen zu lassen.
Der Straftatbestand der »Plünderung und Verwüstung« entstammt dem faschistischen Strafkodex Rocco. Er wurde in den dreißiger Jahren durch den gleichnamigen Justizminister des Mussolini-Regimes eingeführt und nach dem Krieg in das republikanische Strafrecht übernommen.
Source: http://jungle-world.com/artikel/2012/29/45895.html weiter...
AktivistInnen sollen jetzt für Sachbeschädigung für bis zu 14 Jahre in den Knast – Polizeiliche Prügelorgien und Misshandlungen bleiben straffrei
Der italienische Kassationsgerichtshof hat am vergangenen Freitag ein hohes Urteil gegen zehn angeklagte AktivistInnen teilweise bestätigt: Wegen der Kämpfe gegen den G8-Gipfel in Genua 2001 und damit verbundenen Sachbeschädigungen sollen fünf italienische GenossInnen bis zu 14 Jahre Knast absitzen. Der Richterspruch ist nicht anfechtbar.
Marina (12 Jahre 3 Monate) und Alberto (10 Jahre) haben ihre Strafe bereits angetreten, während Francesco (14 Jahre) und Vincenzo (13 Jahre) für die Polizei unauffindbar sind. Ines (6 Jahre 6 Monate) erhielt wegen ihres kürzlich geborenen Kindes Haftverschonung. Fünf weitere können ihre Strafen (zwischen 7 und 11 Jahren) überprüfen lassen und müssen sie voräufig nicht absitzen.
Das abgeurteilte Vergehen nennt sich “Plünderung und Verwüstung”, in Deutschland etwa mit schwerem Landfriedensbruch vergleichbar – zuzüglich erschwerender Umstände, die darin bestehen im Falle von Ausschreitungen nicht das Geschehen zu verlassen. Zum Zuge kam der sogenannte Codice Rocco, ein Paragraf aus der Zeit des Faschismus.
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Urteil gegen Genua-Demonstranten
Fünf Demonstranten von den Protesten gegen den G8-Gipfel 2001 drakonische Strafen erhalten. Obwohl sie nur Gewalt gegen Sachen verübten, kannte das Gericht kein Erbarmen. von Michael Braun
Äußerst drakonische Strafen hat der Kassationsgerichtshof in Rom für fünf Demonstranten verhängt, die wegen Protesten auf dem G-8-Gipfel von Genua im Juli 2001 angeklagt waren. Ein Angeklagter muss für 14 Jahre in Haft, drei weitere erhielten Strafen zwischen zehn und zwölfeinhalb Jahren wegen Beteiligung an den Ausschreitungen, eine junge Frau, gerade Mutter geworden, erhielt sechseinhalb Jahre.
Für fünf weitere Angeklagte, die vom Appellationsgericht Genua mit sieben bis zehn Jahren Haft belegt worden waren, dagegen verfügte der Kassationshof eine Neufestsetzung des Strafmaßes unter Berücksichtigung mildernder Umstände.
Source: http://taz.de/Urteil-gegen-Genua-Demonstranten/!97336/ weiter...
Während das Massaker in der Diaz-Schule und die Misshandlungn in der Polizeikaserne Bolzaneto faktisch straffrei bleiben, sollen die DemonstrantInnen für angebliche Sachbeschädigung bis zu 14 Jahre Knast absitzen
Der erste Senat des italienischen Kassationsgerichtshof (die höchste Instanz im italienischen Gerichtswesen) hat soeben die Urteil gegen zehn angeklagte AktivistInnen teilweise bestätigt: Wegen der Kämpfe gegen den G8-Gipfel in Genua 2001 sollen zwei Personen bis zu 14 Jahre Knast absitzen. Drei haben für ihre mehrjährigen Knasturteile Strafnachlass von neun Monaten bis ein Jahr bekommen, während fünf nochmal in Berufung gehen können. Für die anderen ist das Urteil nicht mehr anfechtbar.
Das abgeurteilte Vergehen nennt sich “Plünderung und Verwüstung”, in Deutschland etwa mit schwerem Landfriedensbruch vergleichbar – zuzüglich erschwernder Umstände, die laut Gericht darin bestehen, im Falle von Ausschreitungen nicht eilig das Geschehen zu verlassen. Zum Zuge kam der sogenannte Codice Rocco, ein Paragraf aus der Zeit des Faschismus. Er soll Vergehen ahnden, die gemeinschaftlich begangen werden.
Source: https://linksunten.indymedia.org/de/node/63804 weiter...
Update zum Genua-Urteil:
Italien hat durch das Urteil von Donnerstag seine obersten Polizeiführer verloren. Alle 26 Verurteilten werden vom Dienst suspendiert und werden fünf Jahre nicht im Öffentlichen Dienst arbeiten. Einige von ihnen waren nach Genua sehr komfortabel die Leiter hinaufgeschubst worden. Einer Reuters-Meldung zufolge sagte die italienische Innenministerin Annamaria Cancellieri:
Wir zahlen einen sehr hohen Preis denn wir verlieren einige unserer besten Männer. Wir müssen jetzt neu anfangen und nach vorne blicken. (…) Es wird schwer, sie zu ersetzen, aber das Urteil muss respektiert werden. Es ist richtig, dass die Verantwortlichen einen Preis für schwere Fehler zahlen. Das darf aber nicht zu einem Urteil über die tausenden Männer und Frauen in Uniform werden, die täglich ihre Pflicht tun. Source: http://annalist.noblogs.org/post/2012/07/07/ein-loch-in-der-italienischen-polizeifuhrung/ weiter...
Der Oberste Gerichtshof Italiens hat gestern die Urteile gegen die Polizeiführer bestätigt, die an der “chilenischen Nacht”, dem brutalen Überfall auf AktivistInnen beteiligt waren, die gegen den G8-Gipfel in Genua 2001 protestiert hatten. Sie wurden wegen der Fälschung von Beweisen verurteilt und weil sie nachweislich gelogen hatten. Kaum einem war Körperverletzung, niemandem Mordversuch nachweisbar, weil alle Beamten maskiert waren und sich gegenseitig bis heute decken.
Vier Jahre für Giovanni Luperi und Francesco Gratteri (der Italiens nächster Polizeichef werden sollte), fünf Jahre für Vincenzo Canterini, drei Jahre und acht Monate für Gilberto Caldarozzi, Filippo Ferri, Fabio Ciccimarra, Nando Dominici, Spartaco Mortola, Carlo Di Sarro, Massimo Mazzoni, Renzo Cerchi, Davide Di Novi und Massimiliano Di Bernardini.
Source: http://annalist.noblogs.org/post/2012/07/06/urteile-fur-den-uberfall-auf-die-diaz-schule-in-genua-2001/ weiter...
Für schwere Beweisfälschung und andere Vergehen im Rahmen der Gewaltexzesse in der Diaz-Schule in Genua anlässlich der Proteste gegen den G8-Gipfel 2001 hat das Berufungsgericht am 5.Juli 28 teilweise führende Polizeibeamte schuldig gesprochen. Sie werden vom Dienst suspendiert, ihre Haftstrafen sind jedoch schon verjährt. Weniger milde geht das italienische Rechtssystem mit denen um, die damals einfach nur protestiert haben. Am 13.Juli wird das Urteil des Berufungsgerichts über 10 Personen erwartet, die in früheren Instanzen zu Gefängnisstrafen von 7-15 Jahren verurteilt worden waren. Um das zu rechtfertigen, wird ihnen “Verwüstung und Plünderung” vorgeworfen, eine Straftat, die mit dem deutschen Landfriedensbruch vergleichbar ist. Dabei wird der aus der Zeit des Faschismus stammende “Codice Rocco” hinzugezogen, um Personen qua “psychologischer Beteiligung” kollektiv verantwortlich zu machen.
Source: http://www.rdl.de/index.php?option=com_content&view=article&id=17288:g8ingenua2001einangeklagteraktivistberichtetimvorfelddesurteils&catid=276&Itemid=201 weiter...Elf Jahre nach brutalen Übergriffen der Polizei auf Globalisierungsgegner während des G-8-Gipfels in Genua hat das Kassationsgericht in Rom am Donnerstag als letzte Instanz die Haftstrafen für die Verantwortlichen des polizeilichen Einsatzes bestätigt. Doch mit dem Urteil ist es noch lange nicht getan, schreibt der Richter Vladimiro Zagrebelsky in der liberalen Tageszeitung La Stampa: "Das Urteil ahndet die körperliche Gewalt nicht, obwohl diese bewiesen wurde. Zumindest einige der Übergriffe fallen im Wesentlichen unter den auf internationaler Ebene festgelegten Begriff der Folter. Ich beziehe mich dabei auf die Definition der UN-Antifolterkonvention von 1984. Italien hat sie 1988 ratifiziert, doch es hat versäumt, das Verbrechen der Folter in sein Strafgesetzbuch aufzunehmen. …
Source: http://www.eurotopics.net/de/home/presseschau/archiv/aehnliche/archiv_article/ARTICLE107715-Italiens-Strafrecht-kennt-keine-Folter weiter...
Zur Sommerpause will die italienische Justiz alle größere Strafverfahren gegen Demonstranten und Polizisten abschließen. Erst dann folgen Zivilverfahren
Beinahe elf Jahre nach dem G8-Gipfel 2001 stehen alle Strafverfahren in Italien vor dem endgültigen Urteilsspruch der dritten und letzten Instanz. Im Mai wurde vom Obersten Gerichtshof (“Kassationsgericht”) bereits Urteile gegen Polizisten und Sanitätspersonal im sogenannten “Bolzaneto-Verfahren” bestätigt. Der frühere Polizeichef Italiens darf indes seine Beförderung zum Geheimdienstkoordinator behalten: Eine Haftstrafe wurde aus Mangel an Beweisen aufgehoben, sein Amt des Staatssekretärs auch unter der Regierung Prodi bekräftigt.
98 Jahre Haft für zehn Personen – das war vor drei Jahren der drakonische Urteilsspruch in dem einzigen großen Verfahren gegen Aktivisten, das nach dem G8-Gipfel in Genua übrig blieb. Das Berufungsgericht ging sogar über das Strafmaß der ersten Instanz hinaus. Insgesamt waren 25 Demonstranten angeklagt – 15 erkämpften Freisprüche oder kamen mit Verjährung davon. “Das ist kein Urteil, das ist ein Racheakt”, hatte die Mutter des beim G8 getöteten Carlo Giuliani das Urteil damals kommentiert1.
Gegen die zehn Demonstranten wurden Haftstrafen zwischen sechs und 15 Jahren verhängt.
Source: http://www.heise.de/tp/artikel/37/37094/1.html weiter...
Für 10 italienische Genossen, die in einem Mammutverfahren anlässlich der Proteste gegen den G8 in Genua in zweiter Instanz zu insgesamt knapp 100 Jahren Haft verurteilt wurden, steht am 13. Juli die letzte Instanz bevor. In zweiter Instanz waren folgende Strafmaße verhängt worden: Vincenzo P.: 15 Jahre, Vincenzo V.: 13 Jahre, 3 Monate, Marina: 12 Jahre, 3 Monate, Luca:10 Jahre, 9 Monate, Alberto: 10 Jahre, Carlo A.: 8 Jahre, Carlo C.: 8 Jahre, Antonio: 8 Jahre, Dario: 7 Jahre, Ines: 6 Jahre und 6 Monate. Die Prognose ist denkbar schlecht: der Kassationshof prüft eigentlich nur die prozeduralen Aspekte des Verfahrens.
Source: https://linksunten.indymedia.org/de/node/60235 weiter...Matthias Monroy
Anonymous hat Webseiten mehrerer Ministerien lahmgelegt, um gegen die Repression gegen linke Aktivisten zu protestieren. Die Aktion steht unter anderem im Kontext des G8-Gipfels in Genua
“Hallo, Bundesministerium für Inneres, Verteidigung und Polizei”, grüßten Netzaktivisten letztes Wochenende auf der Webseite der italienischen Sektion von Anonymous. Die Hacker hatten kurz zuvor die Webseiten der beiden Ministerien sowie der dem Militär unterstellten Carabinieri lahmgelegt. In dem anlässlich der Blockade verbreiteten Posting wird das Vorgehen gegen den Streik von Arbeitern des Aluminiumkonzerns Alcoa kritisiert. Jugendliche wie Erwachsene wurden dabei gleichsam mit Polizeiknüppeln traktiert. Die Aktion galt auch dem Vorgehen gegen die “No TAV”-Bewegung, die seit rund 20 Jahren gegen eine Hochgeschwindigkeitsverbindung von Turin ins französische Lyon protestiert (Europol und das Gespenst des Anarchismus). Im Februar nahmen rund 70.000 Menschen an einer neuerlichen Demonstration teil. Die Polizei kriminalisiert die Bewegung und behauptet, die Demonstranten würden Tote in Kauf nehmen. Daher würden sie als “terroristisch” gelten. Gleichzeitig griffen die Beamten zu rabiaten Methoden: Bei der Räumung von Baumbesetzern ließ die Polizei einen Kletterer aus großer Höhe abstürzen, worauf dieser lebensgefährlich verletzt wurde und mehrere Tage in Koma lag.
Source: http://www.heise.de/tp/blogs/8/151797 weiter...
Der Überfall von 300 schwerbewaffneten Polizisten auf in der Diaz-Schule von Genua schlafende Globalisierungskritiker am 21. Juli 2001 sorgte weltweit für Entsetzen. Jetzt hat der italienische Regisseur Carlo Bachschmidt sieben Menschen porträtiert, die damals verletzt wurden. Sie berichten über ihre Probleme, nach den Foltererlebnissen in den Alltag zurückfinden, von Traumatisierungen, aber auch von dem Willen, sich nicht unterkriegen zu lassen. Der Dokumentarfilm holt eine Nacht zurück ins Bewusstsein, als mitten in einem Rechtsstaat alle Grundrechte außer Kraft gesetzt wurden. Der Film kann für Veranstaltungen ausgeliehen werden (gipfelsoli@nadir.org).
Source: http://www.neues-deutschland.de/artikel/218546.bewegungsmelder.htmlErmüdung und trotzdem Wut: Der Dokfilm »The Summit« über die Polizeigewalt auf dem G-8-Gipfel 2001 in Genua
Von Anja Röhl
Im Ernstfall ist mit dem neuzeitlichen Imperialismus nicht zu spaßen. Der Dokfilm »The Summit« beginnt mit Bildern gepanzerter Marsmenschen, die in Kleingruppen wie im Blutrausch einzelne, am Boden liegende, Ungeschützte traktieren. Beim G-8-Gipfel vor elf Jahren in Genua wurden die Demonstranten von diesen prügelnden Horden ähnlich überrascht wie jetzt die Zuschauer. Franco Fracassi und Massimo Lauria sind kluge, linke Regisseure. Ihre Filme zu Afghanistan, dem ermordeten Politiker Aldo Moro oder der rechten Sekte Opus Dei zeigen Hintergründe auf, ohne zu langweiligen.
»The Summit« (Der Gipfel) ruft nun die Gewalt in Erinnerung, die 2001 in Genua über 300000 Ahnungslose hereinbrach; angezettelt oder Ergebnis »bedauerlicher Umstände«, wie vielfach Glauben gemacht werden sollte, in jedem Fall aber mit der Hoffnung behaftet, der weltweiten Bewegung der Globalisierungskritik den Hals zu brechen.
Source: http://www.jungewelt.de/2012/02-14/009.php weiter...
Die Anti-Globalisierungsbewegung sei so verzweigt, dass man sie nicht dramatisieren könnte, befindet der Regisseur Daniele Vicari auf der Pressekonferenz nach der Berlinale-Vorführung von Diaz - Don't Clean Up This Blood. Das strittige Gewaltexposé, das sich selbst als Pamphlet gegen die massive Brutalität und psychische und physische Folter der Insassen des Social Media Forums, das legal im Komplex der Diaz-Pascoli-Schule angesiedelt war, versteht, thematisiert die ausufernde Polizeigewalt und Staatswillkür gegen Demonstranten und Unbeteiligte während des G8-Gipfels im Jahre 2008 in Genua.
Den Opfern zollt Daniele Vicari aber nicht einmal genügend Respekt, um sie zu Charakteren zu machen. Rund ein Dutzend Protagonisten haben etwa genauso viele Sätze zu sagen. Die persönlichen Motive für ihr politisches Engagement, Art und Ziele ihrer Bewegung und wer von ihnen dieser überhaupt angehört, bleiben so vage wie ihr privater Hintergrund. Einzelpersonen versinken im Gesamtbild eines durch Dreadlocks, Tattoos und Grunge-Look gekennzeichneten Kollektivs ohne organisatorische Struktur und konkrete Ausrichtung. Ein paar verfassen Texte am Computer, andere ärgern sich, dass das Internet nicht funktioniert und wer bei ihnen ein und aus geht überblicken sie nicht. Aber wenn bei Kundgebungen Polizei aufmarschiert, rotten sie sich zusammen und wenn ein Einsatzfahrzeug vorbei fährt, werfen sie Flaschen.
Source: http://www.kino-zeit.de/blog/berlinale/diaz-don-t-clean-up-this-blood weiter...
Gesprächsrunde mit damals aktiven Linken zur Bedeutung und den Folgen der “Tage von Genua”
In diesem Jahr jähren sich die Proteste gegen den G8-Gipfel in Genua zum zehnten Mal. 2001 versammelten sich über 300.000 Menschen in der norditalienischen Hafenstadt, um gegen das Weltwirtschaftstreffen der Regierungschefs der acht reichsten und mächtigsten Industrieländer zu demonstrieren.
Die Gipfelproteste waren überschattet von brutaler Polizeigewalt: Die paramilitärischen Carabinieri griffen die Demonstrationszüge an. Während der Auseinandersetzungen erschossen sie den 23-jährigen militanten Linken Carlo Giuliani. Unzählige Demonstrierende wurden in den Straßen Genuas oder bei der nächtlichen Stürmung der Diaz-Schule, einem Schlafplatz der Gipfelgegner_innen, schwer verletzt. In den Polizeikasernen wurden die Gefangenen gefoltert und gedemütigt. Das Schlagwort von den „chilenischen Nächten“ brachte die Fassungslosigkeit über das Ausmaß der Polizeigewalt zum Ausdruck, das viele in einem EU-Staat nicht für möglich gehalten hätten.
Source: http://antifalinkemuenster.blogsport.de/2011/08/26/veranstaltung-genova-2001-10-jahre-danach/ weiter...